Meine Nähmaschine braucht eine Hüft-OP

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In meiner Timeline landen in letzter Zeit verstärkt Spendenaufrufe von Privatpersonen, die mich irgendwie irritieren. Da ist das Haustier krank oder es muss eine zusätzliche Qualifikation für irgendwas erworben werden, von der das persönliche Seelenheil abhängt. Oder ein Klavier, weil sonst die langjährige Flurtopfpflanze eingeht. Es geht um Herzenswünsche, Angelegenheiten größter emotionaler Wichtigkeit und untermalt mit vielen passenden Emoticons wird auf die Dringlichkeit der Sache hingewiesen.

Mir vollkommen fremde Menschen hätten gerne Geld. Jeder Euro hilft. Ihr seid so unglaublich, Wahnsinn! Danke, ich halte euch natürlich auf dem Laufenden. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was das mit mir macht. Ich sitze hier und weine. Ich bin sprachlos. Das hätte ich nie für möglich gehalten!

Im Normalfall rauschen solche Dinge an mir vorbei. Ich spende auch, allerdings spende ich offenbar für andere Dinge und bei persönlichen Geschichten generell ich nur dann, wenn es um Existentielles geht und wenn ich mindestens eine/n Beteiligte/n kenne, die/der mir glaubhaft versichert, dass das alles seine Ordnung hat.

In letzter Zeit fallen mir derartige Spendenaufrufe häufiger auf; diese Art der Geldbeschaffung scheint en vogue zu sein, vielleicht ist es aber auch einfach nur meine subjektive Wahrnehmung.

Übrigens muss meine Nähmaschine dringend an der Hüfte operiert werden, leider weigert sich die Krankenkasse aber, meine Nähmaschine als Angehörige anzuerkennen und möchte die Kosten für die Operation deswegen nicht übernehmen. Ich habe leider kein Geld, um mich juristisch gegen diesen Ablehnungsbescheid zur Wehr zu setzen und muss außerdem dringend mit meiner Katze zum Friseur, weil das Fell am linken Rippenbogen deutlich länger ist als auf der rechten Seite. Um ein optimales Ergebnis zu erzielen, wäre es ideal, wenn man sie vorher narkotisiert, dann wird das arme Tier emotional auch nicht so sehr belastet. Die Klinik würde auch einem kombinierten Eingriff zustimmen, so dass die Katze mit dem neuen Hüftgelenk der Nähmaschine wieder gerade Nähte produziert. Ganz superklassetoll wäre es natürlich, wenn ich eine Transportmöglichkeit hätte, um die beiden nach dem schweren Eingriff sicher nach Hause bringen zu können: ein Bollerwagen oder ein Mittelklasse-Neuwagen wäre ein Kindheitstraum von mir, den ich mir mit eurer Hilfe endlich erfüllen könnte.

Ihr seid großartig, danke!

 

Da simma dabei, dat is priiihiiima

Karneval

Jedes Jahr um die Karnevalszeit schlägt der Geist der Wehmut wieder zu und für ein paar Tage leidet mein rheinländisches Gemüt in seinem emotional kargen Exil.

Meine Karnevalsaffinität ist zugegebenermaßen eher passiv. Ich fand die vielen fröhlichen Menschen, die sich teilweise wirklich sehr kreativ kostümieren, immer toll. Aufgrund der passiven Positivität sind mir vermutlich die oft erwähnten negativen Aspekte wie übergriffige Menschen, Drogen, Alkohol und sonstige Eskapaden erspart geblieben. Und vielleicht findet man Dinge gleich doppelt schön, wenn man sie aus der Distanz betrachtet.

Trotzdem: Alle Jahre wieder fehlen mir die kostümierten Menschen um mich herum; im Einzelhandel, in den Büros, in den öffentlichen Verkehrsmitteln und auf den Straßen. Mir fehlen die Musik und die Ausgelassenheit. Letzteres vermisse ich hier ja ohnehin und 365 Tage im Jahr, am Rosenmontag fällt es mir einfach nur noch mehr auf als sonst.

Alaaf!

Die Woche kann weg

Aussicht

Mich hat auf Twitter in den letzten Tagen der Hastag #twitternwierueddel sehr getriggert. (wer es nicht mitbekommen hat, kann es hier nachlesen) Was die Pflegekräfte da beschreiben, entspricht nicht nur dem, was ich in Heimen und Krankenhäusern schon selbst gesehen und erlebt habe, sondern geht auch weit darüber hinaus. Ich frage mich, wie dieses Thema ernsthaft irgendwem egal sein kann. Es betrifft nicht nur Pflegekräfte, Patienten und Angehörige gleichermaßen, sondern geht uns alle etwas an. Wir wissen alle nicht, wie wir altern werden und ob wir gesund bleiben. Und wehe dem, der so krank ist und/oder keine Angehörigen hat, die sich um ihn kümmern und für seine Belange und Bedürfnisse einstehen können. Es gibt aber offenbar keinerlei Solidarität untereinander oder keinen Zusammenschluß der einzelnen Interessensgruppen. Sind wir alle so gleichgültig, faul und bequem geworden, dass wir das alles einfach so hinnehmen? Ich nehme mich da selbst auch gar nicht aus, ich echauffiere mich über ein Thema und tue es online und gemütlich von zu Hause auf meinem Sofa sitzend…

Passend zum obigen Thema hat mich in den letzten Wochen im privaten Umfeld gleich zweimal die Nachricht erreicht, dass zwei Menschen (wieder) an Krebs erkrankt sind, der Mann einer Freundin und eine sehr liebe Kollegin von mir. Während meine Freundin sich mit Routine über den Tag rettet – ihr Mann hat sein 3. Rezidiv – und lieber über WhatsApp kommuniziert, hat meine Kollegin sich für eine offensive und sehr freigiebige Informationspolitik entschieden. Auch bei ihr ist es ein Rezidiv und wir telefonieren nun alle 2-3 Tage miteinander, damit sie mir erzählen kann, welche Komplikation sie nun wieder mitgenommen hat (und sie lässt wirklich nichts aus). Ich versuche, für beide da zu sein und jede der beiden emotional da abzuholen, wo sie gerade stehen. Das ist alles sehr bedrückend, weil beide so gar keine gute Prognose haben.

Die Woche war jedenfalls mäßig und kann weg.

Blogs sind tot

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Ich mag’s ja gerne antizyklisch. Entweder verweigere ich mich technischen Neuerungen stur und häufig irrational, bis dass ich dann irgendwann als letzter Mensch auf diesem Planeten feststelle, dass sie doch ganz sinnvoll, komfortabel oder spaßbringend sein könnten. Oder aber ich komme auf die Idee, ein Blog zu eröffnen.

Dabei sind Blogs tot, das ist allgemein bekannt. Blogs gibt es wie Sand am Meer und zu allen möglichen Themen. Kein Mensch hat noch Zeit und Lust, lange Texte zu lesen. Neue Blogs haben es schwer, sich zu etablieren und eine Stammleserschaft für sich zu gewinnen.

Und daher ist es nur konsequent, dass ich jetzt mit diesem Blog beginne.